Entstehung des Amphitheater "Breechkaul"

Geschrieben von Fraen a Mammen Berdorf. Posted in 30 Jahre ACFL Berdorf

Das imposante Gewölbe des Bühneninnenraumes zeigt, dass in diesem Felsen Mühlensteine herausgebrochen wurden. Dies geschah schon vor tausend Jahren. Offizielle Akten belegen, dass alle zu der Abtei Oeren bei Trier gehörenden Bannmühlen, Mühlsteine aus dieser Felsformation beziehen mussten.

Es ist anzunehmen dass aber schon viel früher und zwar zu der Römerzeit ebendort Steinbruch bezogenen Aktivitäten stattfanden.

Amphitheater "Breechkaul"

Nun aber stammt die Bezeichnung "Breechkaul" nicht vom "Steine-Brechen" her, sondern von einer noch vor hundert Jahren dort praktizierten landwirtschaftlichen Betätigung, nämlich dem "Flachsbrechen", wie Postkarten um die vorige Jahrhundertwende belegen. Die angewandten Methoden zur Gewinnung von Mühlensteinen resp. die der Flachsbearbeitung zur erläutern führe hier zu weit und müssten in einem separaten Aufsatz vorgestellt werden.

Bis 1979 war der heutige Innenraum abwärts fallend mit Schuttgeröll gefüllt, so dass zwischen Feldkante und Feldkante und Boden- und Steingut etwa 6 m höher als das momentane Niveau. (vgl. rechts die schräge Abbruchstelle)

Beim Klassenspaziergang war es den Berdorfer Schulkindern stets ein Vergnügen, sich Bücklings durch die hohe, trockene Laubschicht bis ins tiefe Innere zu wagen. Der Lehrer blieb meist vor dem breiten, düsteren Spalt stehen, wartend bis seine Rasselbande sich ausgetobt hatte.

Eben bei einem solchen Spaziergang im Frühjahr 1979 malte sich Lehrer Edmond Steyer aus, wie sich die Breechkaul, "aufgeräumt" präsentieren könnte. Vor seinem geistigen Auge entstand ein "Muschelkiosk" von Menschenhand in jahrtausendalten Felstein gemeisselt, davor in erhöhten Stufen der Freiluftplatz für die Zuschauer - also ein Amphitheater.

Von dem Augenblick an liess diese Idee den Berdorfer Lehrer, zeitgleich ehrenhalber Vorsitzender des Verkehrsvereins nicht mehr los.

Ein befreundeter Unternehmer aus Christnach wurde, nachdem dem SIT-Vorstand der Plan erörtert ward, beauftragt, Probebohrungen am davorliegenden Hügel zu machen. Diese bestätigten eindeutig dass es sich quasi nur um Boden und Geröll handelte.

Jean Friedrich, der damalige Erste Regierungsrat im Touristenministerium, war so begeistert vom Projekt, dass er höchstpersönlich bei allen zuständigen Instanzen vorsprach, um das Vorhaben zu realisieren.

Unternehmer Marcel Greischer begann mit den Ausgrabungen. Ein ihm bekannter Landschaftsgärtner, Herr Doodewaard aus Ede / Holland, der damals für ihn in Luxemburg arbeitete, schlug die Pläne vor, die kaum auf Papier, aber hauptsächlich in dessen Kopf konkrete Formen hatten.

Innerhalb vom 6 Wochen war das Werk vollendet. (Sept. - Okt. 1979)

Herr Friedrich besichtigte fast wöchentlich die Baustelle und äusserte insgeheim den Wunsch, seinem kurz verstorbenen Freund Val. Bisdorf die Anlage zu widmen.

Amphitheater "Breechkaul"

Als sich bei den Baggerarbeiten erwies, dass sich - etwas höher - zusätzlich ein geräumiger Nebenraum einrichten liesse, war es auch der Wunsch des Herrn Friedrich, diesen durch einen Treppenzugang zu integrieren. Der damalige Vorstand des SIT hielt einstimmig darauf, diesen "Saal" mit dem Namen "Salle Jean Friederich" anerkennungsweise zu benennen. Die Einweihung im Oktober 1979 war die erste Amtshandlung von Minister Fernand Boden. Bereits im Jahre 1979 fand die erste Hubertusmesse statt, die inzwischen grenzüberschreitend zur Tradition geworden ist. Alle dort organisierten Konzerte erfreuen sich stets einer grossen Zuhörerschar.

Im Jahr 2004 wurde das Amphitheater generalüberholt, wozu das Tourismusministerium die Kosten übernahm.

Steyer Edmond.